Hallo ihr Lieben 
Sind gestern Abend leider nicht mehr zum Bloggen gekommen, darum der Bericht von gestern jetzt während der Fahrt. Hauke zieht den Wagen gerade durch die Tore des schönen Campingplatzes von Nordenham-Großensiel.
Die Fahrt hierher war angenehm: In Fed’Siel pünktlich los, unter Aufsicht der Dame (wir sind immernoch nicht ganz sicher, ob sie die Hafenmeisterin ist) mit viel Gestikulation vom Gelände der Butjardinger Marina und dann immer Richtung Nordenha. Wie gewohnt folgten neugierige Blicke und (oft etwas ungeduldige) Autofahrer dem Zug. Als die Straße sich eine Zeit lang gerade durch die Landschaft zog, und sich wieder eine Kolonne hinter uns angestaut hatte, stellte der Busfahrer eines Reisebusses hinter uns sein Können unter Beweis (Zitat der Radfahrer: „Der kommt da niemals vorbei“ – „Oh Gott, der überholt“ und dann „…der weiß was er tut“).Die Radler machten es sich im Windschatten des Hängers bequem, im Wagen wurde geschlafen und nachdem Mutti die meiste Zeit beaufsichtigt hatte, setzte sie sich auch mal ans Steuer. Als würde sie es schon ihr Leben lang machen, manövrierte sie uns durch Dörfer und Orte, bis nach Nordenham, wo die Radfahrer vorfuhren, um mit dem Platzwart die Vorgehensweise abzusprechen (Gespräch mit dem Platzwart: „Sind Sie der Chef hier?“ – „Ich bin der Chef hier
“ – „Hat sich bei Ihnen eine Gruppe mit Zirkuswaren angemeldet?“ – „Jo, die sind aber noch nicht da.“ – „Die sind grad angekommen.“ – “ Ach, ihr seid das, ja dann kommt man ran.“).
Wir wurden unglaublich herzlich empfangen, zwei Camper und der „Chef“ persönlich packten beim Rangieren des Hängers mit an und ruck-zuck standen wir in einer kleinen grünen Oase von Campingplatz, keine 2km vom Ortszentrum entfernt, um den letzten Tag unseres Trecks genießen zu können.
Nach Anmeldung, dem Angebot, den Grill nutzen zu dürfen und einer kleinen Pause machten sich fünf von uns auf den Weg zum Wochenmarkt, um nochmals ordentlich einzukaufen. Einer der Running-Gags unserer Tour ist Gouda: Nachdem wir uns den Kopf darüber zerbrochen hatten, ob Gouda nun eine holländische Stadt ist oder nicht (und das ist es), ging es häufig um die Stadt Gouda im Landkreis Emmenthal bei Brie. Umso witziger war es, als wir auf dem Markt einen waschechten Niederländer (sogar blond und mit dezentem Akzent) trafen, uns eine Weile nett mit ihm unterhielten uns das Stüc Gouda „weil ihr es seid“ für fünf statt für sie Euro bekamen.
Leider mussten wir feststellen, dass sich ein Auftritt nicht rentieren würde, weil die Leute zu weit verstreut waren. Am ganzen Strand war wegen „Lebensgefahr – Baden verboten“, der Markt hatte zu wenig Platz und ungeeignetes Publikum und auch die Innenstadt schien uns nicht sonderlich ansprechend.
Wir sind grad an der Blexen Fähre angekommen, müssen folglich alle Räder ein- und alle Wüxe ausladen, und bei Ankunft auf der anderes Weserseite das Gleiche nochmal umgekehrt. Jetzt rollen wir durch Bremerhaven, dann geht’s wieder raus Richtung Langen bis nach Neuenwalde.
Da wir also kaum jemanden hätten erfreuen können mit unseren Walk Acts, entschieden wir, stattdessen abends ein bisschen Jonglage und Feuershow zu machen und rührten vorab bereit die Werbetrommel. Zuvor sollten wir allerdings noch ein Abschluss-Festmahl einnehmen. Und das beinhaltete gaaaaanz viel schnibbeln, würzen, einlegen, aushöhlen und zbereiten von:
Salat mit Nudeln, Tomaten und Pilzen
zwei verschiedenen Tomatensoßen (als Ketchupersatz), davon eine mit ordentlich Knoblauch
großen Champignons mit Feta-Füllung,
scharfgewürzten Tomatenhälften
eingelegter Paprika (unter anderem in Balsamico, mit Pfeffer und Salz)
eingelegter Zucchinischeiben
und, und, und…
Nachdem der Chef mir gezeigt hatte, wie man den Grill innerhalb von drei Minuten heiß bekommt (Holzkohle drauf und einfach mit dem Gasbrenner drüber, dann wird das Rost gleich mit sauber) und der Feta zerlief und die Tomaten bruzelten, aßen wir gemeinsam bei einem Bierchen und lachten uns – wie jeden Abend – Bauchmerzen. Einige Nachbarn legten noch Geflügel oder Toastbrot aufs Rost.
Nach einem schnellen „klar Schiff machen“ fingen einige an, sich mit Poi und Keulen ein wenig warm zu spielen, wir stellten Bänke auf und luden Nachbarn und alle, denen wir begegneten, ein, sie noch ein wenig mit Licht und Feuer zu erfreuen. Eine gemütliche Gruppe verschiedenster Camper fand sich ein, darunter mehrere Familien, eine Gruppe Mädels in Kuscheljacken, unser Nachbar, der beim Rangieren geholfen und viel mit uns geplaudert hatte, und natürlich der Platzwart.
Nach kurzem LED-Spiel verfeuerten wir eine Menge Lampenöl: Malte eröffnete, Bea machte das Herzstück und Janika den Abschluss. Einige „Wow“s und Applaus waren zu hören, doch das Beste kam – wie so häufig – zum Schluss. Es war kaum Überzeugung nötig, um unsere Zuschauer von den Bänken zu locken, und plötzlich fanden sie sich selbst mit einem Poi in jeder Hand, beim Verusch, das nachzuspielen, was sie gerade gesehen hatten. Dann und wann hörte man ein „au“, wenn wieder jemandem unverhofft ein Ball an den Hinterkopf flog oder die Arme von Schnüren gefesselt wurden.
Als sich nach etwa einer Dreiviertelstunde begeisterten Lernens und zum Teil beeindruckenden Fortschritten die Gruppen langsam verflüchtigten, nahmen wir uns noch ein wenig Zeit für uns. Gesa und Hauke beherrschen zum Beispiel die Dreischlagwelle, Bea zeigte noch ein paar Elemente aus dem Capoeira, Räder wurden geschlagen und alles Mögliche an Akrobatik und Jonglage einfach nochmal ausprobiert.
Mit einem Donnergrollen in der Ferne beschlossen wir, unsere Umgebung sturmfest zu machen. Die gemeinsam verbrachte Woche hat sich bemerkbar gemacht: Innerhalb kürzester Zeit verstauten wir Unempfindliches unterm Wagen, Empfindliches im Wagen (also auch uns
), machten noch einen Toilettengang und schlenderten entspannt um und in den Wagen, während der Himmel gefährlich knurrte. Die Sterne hatten sich bereits nach der Feuershow in für uns unsichtbaren Wolken schlafen gelegt, und auch wir verkrümelten uns in unseren Wagen, als gerade die ersten Blitze über den Himmel zuckten. Erst als wir alle warm in unseren Betten lagen brach der Regen aus den Wolken hervor und spülte die letzte Wärme des Tages mit sich zu Boden. Wind schlich leise durch die Fenster hinein und brachte einige wenige Tropfen mit sich, während wir im Wagen saßen und fasziniert beobachteten, wie der Himmel wieder und wieder von grellen Blitzen zerrissen wurde. Das Gewitter muss direkt über uns gewesen sein, als ein laut-donnernder Knall die Luft über unserem Wagen zu zerschlagen schien, danach zog es weiter, das Donnern verebbte, bis nur noch dann uns wann der Himmel kurzzeitig erleuchtet war.