Verliebt in Fedderwadersiel….

Ich habe mich verliebt….verliebt in Fedderwadersiel!!!
Zwar lief die Campingplatz- und Standortfrage ein wenig holprig an, aber irgendwie hat mich trotzdem der Ort verzaubert. Fedderwadersiel, ein kleines Dörfchen direkt an der Küste mit einem kleinen Hafen. Erst nach 1900 entwickelte sich aus dem Handelshafen ein Fischereihafen. Innerhalb kürzester Zeit ist man zu Fuß durch den Ort durch, über den Deich, durch Schafherden, am kleinen Kutterhafen entlang oder an der Küsten auf einem kleinen Weg entlang gewandert. Die Menschen hier sind wie man sich einen norddeutschen Küstenbewohner vorstellt (Ausnahmen bestätigen die Regel!) – immer nen Spruch auf den Lippen, gelassen, freundlich, wortkarg und hilfsbereit. Was der Ort nun aber so besonderes hat, dass ich mich verliebt habe, weiß ich auch nicht. Die ruhige Atmosphäre, das Meer mit den Möwen, Drachen steigen lassen auf dem Deich, der kleine schnuckelige Kutterhafen, der Wanderweg am Wasser entlang, wo man auch an einigen Stellen baden kann? Ich weiß es nicht…aber mal ganz ehrlich…..wer weiß schon genau, warum man sich gernau verliebt hat?!? Es ist doch immer einfach das große Gefühl, dass sich ergeben hat, ohne dass man ganz genau weiß, wann, wo und warum! Es ist einfach so!

Auf der Herfahrt hielt uns kurz nach Stollhamm ein Tanklaster an. Hauke und ich saßen auf dem Trecker und hatten sofort ein ungutes Gefühl: “Ohje, ist was an Nowa? Wieso hält er uns an? Ist was kaputt? Dürfen wir hier mal wieder nicht mit dem Trecker lang?” Aber dann kam mit einem festen Händedruck ein nettes: “Moin, wo kommt ihr denn her?” – “Aus dem Landkreis Cuxhaven!” -”Jo, das hab ich auf dem Nummerschild gesehen, aber woher heute? Seid ihr hier unterwegs? Ihr habt ja ein Schmuckstück von Wagen!” Er erzählte uns dann, dass er regelmäßig zu Oldtimer-Trecker-Treffen geht und er war vom Trecker und besonders von Nowa begeistert, wobei er auch die laute Auflaufbremse bemerkt hatte. Von ihm hatten wir dann auch die Info, dass wir um 14 Uhr im Hafen von Fedderwadersiel frische Granat direkt vom Kutter kaufen können. Er war nämlich auf dem Weg, um genau diesen Kutter zu betanken.
In Fedderwadersiel angekommen, bin ich also mit Ruben los in den Hafen, während die anderen die Campingfrage gelöst oder das kaputte Fahrrad reapriert haben. Natürlich war unsere netter Tanklasterfahrer schon vor Ort und wartete auf den nächsten Kutter. Nachdem wir uns frischen Granat gekauft hatten, haben wir noch ne Runde mit ihm geschnackt. Von ihm erfuhren wir, dass die Kutter immer für 2-3 Tage auf See bleiben und entweder ihre Kinder oder auch 2-3 Angestellte als Hilfskräfte mitnehmen. Und richtig, auf dem Kutter und beim Verkauf standen zwei Jungs in Fischerhemden. Was uns aber überrascht, geschockt und sogar empört hat, war die Info, dass die Granat von Fedderwadersiel über Cuxhaven nach Marokko transportiert werden, um dort gepult und hier wiederum verkauft zu werden! So viel zu FANGFRISCHER Granat!!! Es sei sogar billiger, als eine Krabbenpulmaschine zu kaufen und zu unterhalten!!! Die Welt ist doch bescheuert!
Da ich mich noch weiter mit dem Thema Granat beschäftigte und mich mit einer Fischbrötchenverkäuferin und den Besitzern/Verkäufern des kleinen Tante-Emma-Ladens über die Delikatesse und die unterschiedlichen Zubereitungsvarianten unterhalten habe, kommt hier noch granaten Granat-Info und noch leckere Rezepte zum Nachkochen:

Granat – Garnelen – Gernalen – Karabben – Knoat
Vor 1900 bereicherten vor allem die “kleinen Leute” ihre Speisekarte mit Granat, den sie in mühevoller Arbeit mit dem Hamen finden. Häufig wurden die Granat in Steintöpfen mit viel Salz für den Winter konserviert und diente dann oft genug als Fleischersatz. Um 1880 wurden die Garnelen lebendig in brausend-kochendes, stark gesalzenes Wasser geschüttet; während sie 1/4 Std. kochten, ließ man einige Male ein glühendes Eisen darin ablöschen, wodurch sie eine rote schöne Farbe erhielten.

Hier einige Rezepte für Granat-Liebhaber. Um es zu verkürzen, schreibe ich nur die Zutaten auf, die Kochanleitung ist den meisten dann wohl auch so klar!

Fischerfrühstück – Krabbenbrot
4 Scheiben Schwarzbrot, 40g Butter, 280g Krabben, Butter zum Braten, 4 Eier, Salz, frisch gemahleren Pfeffer
Zum Garnieren: Einige Salatblätter, 4 Radieschen, Gewürzgurke
–> Alles künstlerisch auf dem Brot stapeln und perfekt garnieren!

Eingelegte Krabben
Essig, Pfeffer, Salz, gehackte Zwiebeln, Krabben
–> dazu isst man Bratkartoffeln

Granat-Frikadellen
300g Granat, 100g Hackfleisch, 1 Ei, 1 gehackte Zwiebel, Pfeffer, Salz, Paniermehl
–> nicht zu hart werden lassen!

Krabben-Cocktail
250g Krabbenfleisch, 1/2 Salatherz, 8 grüne Spargelköpfe, 100g Mayonaise, 1 EL Meerrettich, 4 EL Tomatenketchup, 1/2 TL Senf, 2 cl Weinbrand (Cognac) etwas Sherry, 1 TL Kerbel (gehackt) 1 Prise Paprika, evtl etwas Tabascosauce

Krabben-Ragout
Helle Mehlschwitze, Spargel oder Pilze (z.B. Champignons), Krabben
–> Dazu passen gut Salzkartoffeln

Guten Appetit wünscht Gesa – während der Tour auch gerne Mutti oder Mama wegen dem Kochjob genannt!

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